Gibt es in Deutschland trotz „Moratorium“ genügend Kraftwerkskapazitäten? Oder zwingt die aktuelle Situation zu Stromimporten? Drucken

Berlin, 07.04.2011: Gibt es in Deutschland trotz des "Moratoriums" genügend Kraftwerkskapazitäten, oder zwingt die aktuelle Situation zu Stromimporten? Nach der Kraftwerksliste des UBA (Stand 28.02.2011) beträgt die zur Verfügung stehende Kraftwerksleistung in Deutschland ca. 101,7 GW.

 

Mit dem Moratorium für sieben AKWs, dem immer noch stillstehenden AKW Krümmel und dem in Revision gegangenen AKW Grafenrheinfeld sind recht kurzfristig 10,2 GW Kraftwerksleistung vom Netz gegangen (7,4 GW + 1,4 GW + 1,4 GW). Die dann noch zur Verfügung stehende Kraftwerksleistung in Deutschland beträgt ca. 91,5 GW.

Zieht man davon die für die Ausregelung nötigen PSW ab (ca. 6,2 GW), stehen mindestens noch ca. 85,4 GW Kraftwerkskapazitäten nach UBA-KW-Datenbank zur Verfügung.

Diese Kraftwerksliste umfasst nur die in Betrieb befindlichen Kraftwerke mit einer Leistung über 100 MW. „Kleinere“ EE mit einer installierten Kapazität von insgesamt knapp 50 GW sind ebenso wenig erfasst wie in Bau oder Planung befindliche Kraftwerksleistungen (fossil/erneuerbar) oder die Kaltreserve (gemäß Ökoinstitut ca. 2,5 GW).

Also werden auch nicht die 10,8 GW Kraftwerksleistung erfasst, die nach BDEW 2011 und 2012 in Betrieb gehen sollen (wobei BDEW auch nur die Projekte mit mehr als 20 MW Leistung erfasst hat).

Die Jahrshöchstlast in Deutschland hat seit 2002 kontinuierlich abgenommen: von ca. 79,7 GW auf ca. 73,0 GW im Jahre 2009. In Deutschland wird die Jahreshöchstlast im Dezember eines Jahres erreicht, nicht im Frühjahr. In den letzten Wochen lag die Höchstlast in Deutschland bei max. 52,0 GW.

Als Schlussfolgerung daraus lässt sich also sagen:

  • Die Versorgung ist sicher, auch ohne Stromimporte und EE
  • Der Einsatz der Kraftwerke und Ex- sowie Importe von Strom werden allerdings im liberalisierten Strommarkt Deutschlands und der EU
    aufgrund betriebswirtschaftlicher Gesichtspunkte gesteuert (Höhe der Grenzbetriebskosten)!
  • Stromimporte sind also nicht auf eine Knappheit zurückzuführen, da mehr als genug in Deutschland produzierter Strom existiert, sondern auf betriebswirtschaftlichen Erwägungen der Stromhändler, die immer zuerst den am billigsten produzierten Strom aufkaufen, um ihn weiter zu verkaufen. Dies ist Atomstrom, der dann v.a. in Tschechien und Frankreich eingekauft wird, obwohl an anderer Stelle nach wie vor ein Stromexport erfolgt.

 

Kontakt:
Bundesverband Erneuerbare Energien e.V. (BEE)
Daniel Kluge

Tel.: 030 - 275 817 0 - 15

web: www.bee-ev.de

 

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